Dreitausend Meter: Ein Fenster trägt mehr als nur Wind

Brancheneinblick · 15. März 2008
SystemfensterHöhenlageWindlastErdbebensicherheit

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15. März 2008

Bergprojekte scheitern an vier Stellen: Durchbiegung unter Windlast, Spannung an den Glasecken, sich lösende Anker und durch UV-Strahlung gealterte Dichtungen. Dazu kommen Windlastklasse, Berechnung der Glasdicke, seismische Befestigung und Akustik — und die Frage, wie eine Ausschreibung formuliert wird, die Erfahrung nicht überspielen kann.

Wind im Gebirge ist nicht einfach stärker

Im Flachland ist die Windlast meist Grunddruck am Standort mal Höhenfaktor. Im Gebirge gilt das nicht. Wind beschleunigt über Grate und Pässe, Hänge erzeugen Venturi-Effekte, und innerhalb einer Stadt können die Drücke in der Talsohle und in mittlerer Hanglage um Faktor zwei auseinanderliegen. Höhenlage senkt die Luftdichte und damit den Druck. Die beiden Effekte wirken gegeneinander und lassen sich nicht schätzen.

Der erste Schritt im Bergprojekt ist nicht die Fensterwahl, sondern der Grundwinddruck am Standort. Kirgisistan und Tadschikistan verweisen meist noch auf die sowjetische Klimagliederung in SNiP 2.01.07, die den Druck zonenweise festlegt. Fehlen lokale Daten, setzt die Praxis konservativ 0.6 bis 0.8 kPa an und rechnet eine Höhenkorrektur dazu. Diese eine Zahl steuert jede weitere Glas- und Profilberechnung. Ist sie falsch, wird das ganze Gebäude neu verglast.

Windwiderstand ist eine Klasse, kein Adjektiv

Der Satz „winddichte Fenster für Hochhäuser“ ist im Verkaufsgespräch ein Adjektiv und in der Norm eine Klassifizierung. Die chinesische Praxis stuft Außenfenster nach P3-Druck in kN/m2 von 1 bis 9 ein. Die australische AS2047 nutzt eine andere Skala über N-Werte und Gebrauchstauglichkeit. Beide Größen lassen sich nicht umrechnen. Deshalb geht bei grenzüberschreitenden Projekten am häufigsten schief, dass ein AS2047-Bericht als Nachweis der chinesischen Klasse acht vorgelegt wird.

Entscheidend sind zwei Kriterien: Unter Auslegungswindlast darf die relative Durchbiegung tragender Bauteile L/180 nicht überschreiten, und das Glas darf nicht brechen. Das erste bestimmt das Profil, das zweite die Verglasung. Wer nur eine Windklasse ohne Durchbiegungsgrenze abfragt, bekommt das billigste Profil, das die Zahl erfüllt. An einem windigen Tag wandert dann der Flügel, und die Dichtungen heben ab.

Glasdicke berechnen: dicker ist nicht fester

In Höhenlagen halten sich zwei Irrtümer. Der erste: starker Wind verlangt dickes Glas. Der zweite: gehärtetes Glas ist sicheres Glas. Der Windwiderstand hängt an der Dicke, am Seitenverhältnis der gelagerten Fläche und daran, ob die Scheibe vier- oder zweiseitig gelagert ist — nicht an der Dicke allein. Eine 6-mm-Scheibe mit 800 mm Spannweite kann eine 8-mm-Scheibe mit 1500 mm übertreffen, weil die Spannweite dominiert.

Der zweite Irrtum ist gefährlicher. Gehärtetes Glas ist fest, aber wenn es versagt, versagt es vollständig, in Krümel. Große Tagestemperaturschwankungen und intensive UV-Strahlung heben die spontane Bruchrate über die üblichen drei von tausend. In Höhenlagen ist deshalb vorgespanntes Verbundglas die bessere Wahl: zwei vorgespannte Scheiben mit PVB-Zwischenschicht, die auch nach dem Bruch im Rahmen bleibt. Der Preis sind rund dreißig Prozent mehr Gewicht, was die Beschläge neu bestimmt.

Erdbeben zerstören die Befestigung, nicht das Fenster

Der südliche Grenzgürtel Tadschikistans und Kirgisistans liegt in Erdbebenzone acht bis neun. Das Fenster selbst versagt selten. Schäden sammeln sich an drei Verbindungen: den Ankern zwischen Rahmen und Öffnung, den verschweißten Rahmenecken und den Klötzen zwischen Glas und Profil.

Der übliche Fehler ist zu dichte und zu steife Verankerung. Der Rahmen ist steif, die Wand verformt sich. Anker im Abstand von 300 Millimetern ziehen den Rahmen in Scherung und reißen die Eckverschweißung auf. Sauber ist ein Abstand von 500 bis 600 Millimetern, 150 bis 200 Millimeter Abstand zu den Ecken und Langlöcher mit Gleitunterlagen, die drei bis fünf Millimeter Relativbewegung zulassen. Auf der Zeichnung ist das die Form eines Lochs. Im Erdbeben entscheidet sie, ob das Fenster in der Wand bleibt.

Ultraviolett: halbe Lebensdauer für Dichtungen und Dichtstoff

Die UV-Intensität im Pamir liegt mehr als doppelt so hoch wie auf Meereshöhe und steigt um etwa zehn bis zwölf Prozent pro tausend Meter. Der Schaden ist kein Ausbleichen, sondern Kettenspaltung: EPDM-Dichtungen verspröden und verlieren die Rückstellung, Silikondichtstoff kreidet und löst sich vom Profil, PVC-Leisten werden spröde und brechen.

Die Höhenlage hebt deshalb jedes Material eine Stufe: EPDM statt PVC für Dichtungen, in UV-stabilisierter Rezeptur; neutral vernetzendes Silikon statt säurevernetzendem; UV-Stabilisatoren in jedem freiliegenden Kunststoffteil. Im Angebot sind das ein paar Dutzend Yuan pro Quadratmeter. Drei Jahre später ist es der Unterschied zwischen Dichtung tauschen und Fenster ausbauen.

Akustik: Windgeräusche im Gebirge werden unterschätzt

Der Begriff „akustisches Aluminiumfenster“ wird meist mit städtischen Ausfallstraßen verbunden, doch Bergprojekte brauchen ihn ebenso. Wind in einer Schlucht erzeugt breitbandigen Lärm, der nachts am lautesten ist. Höhenprojekte liegen zudem oft in Tourismus- oder Schutzgebieten, wo Ruhe mehr zählt, nicht weniger.

Die Schalldämmung hängt weniger von der Dicke ab als vom Dickenunterschied zwischen den Scheiben und von der Breite des Hohlraums. Zwei gleiche Scheiben resonieren, und das bewertete Maß bricht in einem Band durch Koinzidenz ein. Ein Unterschied über dreißig Prozent, etwa fünf und acht Millimeter, trennt die Koinzidenzsenke ab. Ein Hohlraum von zwölf bis sechzehn Millimetern arbeitet am besten, über zwanzig beginnt die Konvektion im Spalt und die Leistung fällt. Bewertungen über Rw 40 verlangen in der Regel Verbund-Isolierglas, zum Beispiel 6 + 1.14 PVB + 6 mit zwölf Millimeter Spalt und einer sechsten Scheibe.

Das Normproblem: Zentralasien hat keine einheitliche Fensternorm

Das ist der praktischste Punkt in einem zentralasiatischen Projekt: Es gibt keine überall durchgesetzte Produktnorm für Fenster. Kasachstan führt ein eigenes ST-RK-System, Usbekistan behält Teile von GOST, und Projekte in Tadschikistan und Kirgisistan verweisen meist auf GOST 23166 für Fenster und GOST 24866 für Isolierglas, während international finanzierte Vorhaben EN- oder AS2047-Berichte verlangen.

Die Folge: Ein Leistungsverzeichnis für Systemfenster soll zwei Systeme gleichzeitig erfüllen. Tragfähig ist, eines zu führen und das andere gegenzuprüfen: EN 14351-1 als Hauptweg, AS2047-Prüfberichte für Aluminiumfenster als Stützung, dazu eine statische Berechnung gegen die lokalen SNiP-Parameter für Wind und Erdbeben. Wer einen NFRC-zertifizierten Bericht für Aluminiumfenster bekommt, sollte zuerst klären, ob er das ganze Fenster zertifiziert oder nur die Verglasung. Zentralasiatische Ausschreibungen verwechseln beides regelmäßig.

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